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Folge 2: Ji Han-Jae – Der Namensgeber
Hapkido in Vollendung
Großmeister Ji Han-Jae wurde 1936 in Andong, Korea geboren. Er begann sein Training unter Choi Yong Sul in dessen neuem Hapki Yu Kwon Sul Dojang. Ji war Student an der technischen Hochschule von Taeku und trainierte unter Choi bis 1956. Dann zog er in seine Heimatstadt An-dong zurück, wo er von einem von ihm so genannten „Taoisten Lee“ und einer Nonne, die er nur „Großmutter“ nannte, unterrichtet wurde. Er eröffnete seine erste Schule, An Mu Kwan genannt und lehrte Yu Kwon Sul an seine Schüler. Ji praktizierte seine Tritte extrem hart. Er tat Soya-bohnen in eine Socke, band sie zu und hängte sie an die Decke. Er übte dann gesprungene Pandae-Dollio-Chaggi wieder und wieder. Um seinen Fall zu polstern, benutzte er Matten aus Reisstroh.
Nach ungefähr neun Monaten in Andong entschied sich Ji im September 1957 nach Seoul zu gehen. Er wohnte dort in einer Pension und unterrichtete den Sohn des Besitzers, Hwang Duk-Kyu, der sein erster Schüler in der Sung Mu Kwan Schule wurde. In dieser Schule lehrte er wei-terhin die Kunst des Yu Kwon Sul. Ji war darüber glücklich eine Schule eröffnet zu haben, aber er hatte nur wenige Schüler. Diese waren hauptsächlich Studenten, die wenig Geld hatten. Einer seiner bedeutendsten Schüler während dieser Zeit im Sung Mu Kwan war Myung Kwang-Shik. Schließlich entschied er sich, einen besseren Platz für seine Tätigkeiten zu suchen. So wurde er einem bekannten Boxtrainer vorgestellt, der drei Trainingsräume hatte. Ji mietete von ihm einen Raum und zum ersten Mal hatte er eine richtige Matte. Choi Yong-Sul kam aus Taeku in Jis Schule und gab Vorführungen und Lehrgänge. Ji unterrichtete hier weiterhin bis April 1960 Hap-ki Yu Kwon Sul und seine bedeutendsten Schüler waren Han Bong-Soo, Myung Jae-Nam und Kim Sou-Bong.
In Verbindung mit Ji Han Jae’s Historie ist es interessant, den Ursprung des Namen Hapkido zu ergründen. Ji sagte, dass er, als er 1957 nach Seoul ging, den 3. Dan im Yu Kwon Sul trug und zum Vertreter der Yu Kwon Sul in Seoul ernannt wurde. Er machte sich Gedanken über den Namen und fand, dass „Hapki Yu Kwon Sul“ ein zu langer Name sei. Ihm gefiel es besser, an-stelle des Wortes „Sul“ das „Do“ zu benutzen, denn „Do“ bedeutet Lebensweg, während „Sul“ nur Technik heißt. Er hörte von anderen Kampfkünsten, die z.B. Yudo, Tang Su Do, Kong Su Do, Su Bak Do oder ähnlich hießen. So entschied er sich, den Namen „Hapki Yu Kwon Sul“ in „Hapkido“ umzuwandeln. Am 19. April 1960 stürzten Studenten die anti-japanisch orientierte Regierung Dr. Rhee Seong-Man's. Danach wurden viele japanische Güter in Korea eingeführt. Japanische Kampfkunstbücher und -magazine waren da keine Ausnahme. Ji Han-Jae las einige dieser japanischen Bücher, so auch über das japanische Aikido. In Bezug auf die Namen fand er, dass diese gleich waren und sich nur in der Aussprache unterschieden. Er wollte fortan nicht den gleichen wie den des japanischen Stils benutzen, ließ das „Hap“ im Wort fallen und nannte seine Kunst Kido.
Am 16. Mai 1961 wurde die koreanische Zivilregierung durch General Park Jung-Hee gestürzt und das Land kam unter die Kontrolle des Militärs. Zu diesem Zeitpunkt eröffnete Ji eine Schule gegenüber dem Zentraltheater. Während dieser Zeit besuchte ihn ein anderer von Chois Schü-lern, Kim Moo-Woong und blieb für acht Monate in Seoul. Wahrscheinlich entwickelten die bei-den hier die bekannten Hapkido-Fußtritte. Nunmehr war Jis Sung Mu Kwan Schule sehr bekannt und geschäftlich stark. Er hatte die Möglichkeit, an der Militärakademie zu unterrichten und das Oberkommando auszubilden. Ji arbeitete für den Geheimdienst, verhörte u.a. gefasste Agenten Nordkoreas und gehörte bald der Leibwache des Präsidenten an. Während der Zeit, als er diese im Hapkido unterrichtete, verlegte er seine Schule noch einmal. Jetzt war Hapkido nicht mehr nur auf Seoul beschränkt, sondern verbreitete sich im ganzen Land und wurde eine anerkannte koreanische Kampfkunst. Ji Han-Jae, Kwon Jang und Choi Yong-Sul entwarfen die Satzung des Koreanischen Kido Verbandes und bewarben sich um die Anerkennung durch das Erziehungs-ministerium. Dem koreanischen Kido Verband wurde das Recht zugesprochen, den technischen Standard der Lehre zu überwachen und zu regulieren sowie auch Anforderungen an Schwarz-gurtprüfungen in den koreanischen Kampfkünsten festzulegen. Der Kido Verband ist bis heute Dachverband der unterschiedlichen Systeme.
Im Jahre 1965 gründete Ji Han-Jae die Korea Hapkido Association. Obwohl er einer der Be-gründer des Koreanischen Kido Verbandes war, gab es für ihn mehrere Gründe, einen zweiten Verband zu gründen. Zum einen ernannte der Kido Verband Kim Jung-Yun zum Generalsekre-tär, der als Universitätsabsolvent bald die Politik des Verbandes dominierte, eine Situation die Ji missfiel. Zum anderen gefiel den Schülern, die im Sung Mu Kwan weiterhin Hapkido trainierten, der Name Kido nicht. So nannten sie ihre Kunst weiterhin Hapkido und unterrichteten auch Hap-kido. Entgegen Jis Meinung waren sie nicht der Ansicht, es wäre von Bedeutung, dass auch ei-ne japanische Kunst den gleichen Namen trüge, denn die beiden Stile seien nicht miteinander verwandt. Sie waren auch der Auffassung, dass ein Wechsel des Namens vielleicht als kampflo-ser Rückzug ausgelegt werden könnte. Des Weiteren wurde Ji Han-Jae zum Chef Hapkidolehrer der Sicherheitskräfte des Präsidenten ernannt und damit zu einer einflussreichen Persönlichkeit. Der Kommandeur der Sicherheitskräfte, Park Jong-Kyu, drängte Ji, einen neuen Hapkido Ver-band zu gründen. Die Hauptgruppe dieses Verbandes bildeten Angehörige der Sung Mu Kwan Hapkido Schule. Als jedoch die Frau des Präsidenten durch einen Sympathisanten Nord-Koreas ermordet wurde, trat Park Jong-Kyu von seinen Ämtern in den Sicherheitskräften und im Hapki-doverband zurück.
1967 schickte der Verband 15 Mitglieder als Demonstrationsteam nach Vietnam. Einige dieser Mitglieder waren Ji Han-Jae, Myung Kwang-Shik, Han Bong-Soo und Jung Won-Jun. Dort zeigte das Team verschiedene Hapkidotechniken vor koreanischen, vietnamesischen und US Truppen. Während einer Reise 1969 in die USA lernte Ji Han-Jae Bruce Lee kennen. Bruce Lee war von Ji so sehr beeindruckt, dass er ihm in seinem Film „Game of Death“ die Rolle des finalen Geg-ners anbot. Auch bat er ihn darum, von ihm unterrichtet zu werden. Zwischen 1972 und 1974 drehte Ji mehrere Filme in Hong Kong: zunächst "Game of Death" ("Mein letzter Kampf"), bei dem Ji einen Widersacher von Bruce Lee spielt, des Weiteren “Hapkido” mit Angela Mao Ying (2. Dan Hapkido), welcher später in Lady Kung Fu umbenannt wurde, und weiterhin “The Dra-gon Tamers”, bei dem Jackie Chang Action Director war.
1973 kamen die drei Führer der großen Hapkidoverbände (Ji Han-Jae, Kim Moo-Woong und Myung Jae-Nam) zusammen und stimmten darin überein, ihre drei Verbände zu vereinigen. Ji Han-Jae wurde zum Vize-Präsidenten gewählt. Dies war die erste Einigung von Hapkidoführern seit ihrer Trennung vom Koreanischen Kido Verband. Die erste Arbeit des Verbandvorstandes war es, eine Kommission zu benennen, welche die Lehr- und Prüfungsmethoden im Hapkido vereinheitlichen sollte. Diese Kommission, zusammengesetzt aus hohen Danträgern der ver-schiedenen Schulen, schlug eine Lehr- und Prüfungsordnung bis zum 5. Dan vor. Der Vorstand beschloss, dieses Material so schnell wie es die finanziellen Möglichkeiten erlaubten, zu veröf-fentlichen. Diese Veröffentlichung erfolgte jedoch niemals. Ji Han-Jae wandte sich 1987 an Kimm He-Young mit den Worten: „Der Einzige, der dieses offizielle Hapkidobuch herausbringen kann, bist Du.“ Kimm gab seine Zustimmung und veröffentlichte das Buch für die Hapkidosport-ler in aller Welt. (Obwohl diese „Hapkido-Bibel“ von Kimm He-Young herausgegeben wurde, stammt die ursprüngliche Idee von der Republic of Korea Hapkido Association.) Bis 1979 war Ji Vorsitzender des Verbandes. Sein Nachfolger wurde sein Schüler Oh Se-Lim, der sein Hapkido Studium bei Ji 1958 in Andong begonnen hatte.
1979 fiel der koreanische Präsident Park Jung-Hee einem Attentat zum Opfer. Der Attentäter war Kim Chae-Kyu, Chef des koreanischen CIA. Da dieser ein enger Schüler von Ji war, wurde Ji in Verbindung mit dem Anschlag gebracht und musste in Folge des Attentates zurücktreten. Jetzt als Zivilist trat er der Min Jung Dang Partei des neuen Präsidenten bei. Unter dem Präsi-denten gab es zwei rivalisierende Gruppen: Huh Sam-Soo, der erste Sekretär des Präsidenten, war Führer der einen und Kwon Jung-Dal, der Parteivorsitzende, Führer der anderen Gruppe. Obwohl beide Gruppen dem Präsidenten gegenüber loyal waren, wollten sie sich gegenseitig kontrollieren. Ji Han-Jae und Kwon kamen beide aus der gleichen Stadt und kannten sich per-sönlich. Da Ji Erfahrungen im Personenschutz hatte schlug er Kwon vor, eine zivile Sicherheits-truppe aus Parteimitgliedern aufzustellen. Diese könnte den Präsidenten schützen, wenn er bspw. Parteibüros, die Parteizentrale oder politische Veranstaltungen besuche. Kwon meinte, Jis Idee wäre brillant. So gab er Ji die Erlaubnis, diese Sicherheitskräfte insgeheim zu trainieren. Huh Sam-Soo erfuhr von diesem geheimen Training und glaubte, dass dies eine ideale Gele-genheit wäre, seinen politischen Rivalen Kwon auszuschalten. Er berichtete dem Präsidenten, dass, um ihn zu stürzen, ein geheimes Training veranstaltet würde. Kwon verlor seine Stellung als Parteiführer und Ji wurde verhaftet und musste für ein Jahr ins Gefängnis. Ji erinnert sich an die Haft als eine sich für einen Mann lohnende Erfahrung. Während dieser Zeit lernt man eine Seite des Lebens kennen, die normale Menschen in der Gesellschaft niemals erleben.
Im Gefängnis entwickelte er sein neues System, das er Sin Moo Hapkido nannte. Sin Moo Hap-kido ist noch stärker auf die spirituelle Seite der Kampfkünste ausgerichtet. Das Wort „Sin“ kann man übersetzen mit „geistig“ oder „seelisch“, und „Moo“ mit „Kampfkunst“. Somit bedeutet „Sin Moo“ Hapkido „Geistiges“ Hapkido. Ji gibt ein einfaches Beispiel von Sin Moo: Wenn Du einen Schlag übst, kannst Du dies physisch 1000-mal machen. Hier bist Du wie eine Maschine, denn der Arm arbeitet wie eine solche; ohne zu denken. Der zweite Schritt ist, den Arm nicht nur phy-sisch zu bewegen, sondern sich den Schlag „ins Ziel zu denken“. Jedes Mal zähle dabei lautlos. Man kann viel schneller schlagen, wenn man auf diese Art übt. Dieses Beispiel sieht Ji nur als grundlegende Betrachtung. Um Sin Moo Hapkido zu verstehen, muss man Neung Um Kyung (ein Zen-Buch zum Training des Geistes) und Sam Il Shin Ko (ein Buch zur Erklärung der tradi-tionellen koreanischen Geisteshaltung) studieren. Ji betont auch das Studium des menschlichen Gehirns: So Ne (die linke Gehirnhälfte, welche die Gefühle steuert.), Dae Ne (die rechte Gehirn-hälfte, welche die Logik steuert) und Kan Ne (das Gehirnzentrum, welches die Erkenntnis steu-ert.) Er sagt, dass wir uns mehr auf die linke und rechte Seite, d.h. die Gefühle und die Logik verlassen, während die für intuitive Weisheit mittlere Gehirnfunktion hingegen abgenommen hat. Diesen Teil müssen wir mehr trainieren und ein Leben im Gleichgewicht führen.
Nach seiner Entlassung hatte Ji Schwierigkeiten, wieder eine neue Schule zu eröffnen. So reiste er etwa 1981 wieder nach Hong Kong und bereitete von dort seine Immigration in die USA vor. In Hong Kong spielte er noch kleinere Rollen in dem Film “Tower of Death” und in einigen ande-ren Filmen. 1984 reiste Ji über Deutschland, wo er seine beiden Schüler Kim Sou-Bong und Song Il-Hack traf, in die USA und eröffnete in San Francisco eine Sin Moo Hapkido Schule.
Zahlreiche hochrangige Hapkido Meister wanderten aus Korea aus, um Hapkido in der Welt zu verbreiten. Viele ließen sich in den USA nieder. Die meisten der heutigen Hapkido Großmeister sind ehemalige Schüler von Ji, auch wenn sie heute Choi als ihren Lehrer bezeichnen. Hierzu gibt es verschiedene Aussagen darüber, warum diese Schüler sich von Ji abgewandt haben. In einem Interview erklärte es Ji damit, dass er mit zu jungen Jahren erfolgreich war. Viele seiner Schüler waren älter als er. Nachdem sie dann auch bei Choi trainierte hatten, gaben sie den weitaus älteren und daher geachteten Choi als ihren Lehrer aus. Koreanische Quellen sagen, dass zudem viele koreanische Meister immer noch denken, Ji sei mitverantwortlich für das At-tentat auf Präsident Park gewesen und dass sie ihn darum meiden. Immer wieder wird auch da-rüber diskutiert, wer welche Techniken in Hapkido eingeführt hat. Einige Quellen besagen, dass Choi bis zu seinem Tode eigentlich reines Daito-Ryu Aikijujutsu unterrichtete. Andere wiederum behaupten, dass er bereits etliche koreanische Kampfkünste integrierte. Auch soll er sehr an Kumdo interessiert gewesen sein, was nahe legt, dass die Schwerttechniken von ihm einge-bracht wurden. Großmeister Ji nimmt für sich in Anspruch, die Spazierstock-Techniken, Lang- und Kurzstocktechniken sowie einen Großteil der Fußtritte ins Hapkido eingegliedert zu haben.
Heute hat Großmeister Ji seine Schule in Pennsylvania und sein Sin Moo System ist in der gesamten Welt verbreitet.
Detlef Klos
Großmeister Ji Han Jae. 10. Dan
Ji beim Demonstrieren einer Technik
Coppyright: Hapkido in Nordrhein-Westfalen - NWHV e.V.